Tag zwei - ein weiterer Rückblick
Alle, die bisher den ersten Beitrag gelesen haben werden sich vermutlich Fragen, wieso sollte man als semi-Alkoholiker einen Blog über sowas banales führen? Wie kann "so wenig" Alkohol einen Einfluss auf das Leben haben?
Vielleicht beantworte ich sie aber auch nur mir, da ich nicht weiß, ob die eigenen Seitenaufrufe auch als Besucher gezählt werden. Also hier nun für mich oder die drei Besucher.
ich denke, dass ich, rückblickend betrachtet, in einer Phase der Selbstfindung mit dem erhöhten Alkoholkonsum begonnen habe. Weiterhin ist wohl wichtig, dass ich in exakt dieser Phase ein verpickelter, schüchterner Teenager war, der den Kontakt zu dem Großteil seiner gleichaltrigen Mitmenschen eher vermieden hatte. Auch an sowas wie eine Freundin war nur in meinen Lügengeschichten zu denken, die ich verwendete um bestimmten sozialen Interaktionen zu entgehen.
Es begann etwa mit 16. Nach einem Schulwechsel schlug die Realität mit voller Kraft auch mich ein. Bis zur achten Klasse besuchte ich ein Gymnasium in einer norddeutschen Kleinstadt. Dort hatte ich keinen großen Freundeskreis, aber die Freunde die ich hatte, waren gute. Ich kann das so sagen, weil sie es auch heute noch sind. Auch dort gab es Mobbing, auch gegen mich, nicht vornehmlich, aber als ruhiges Kind mit Akne und Brille war man nicht unbedingt ein Aushängeschild für eine erfolgreiche Teenie-Phase. Der ein oder andere mag das ja noch kennen. Unsicher welchem dämlichen Trend ich denn nun folgen Sollte und wie ich mir mein schon damals rares Haar stylen sollte hielt mich vom Lernen ab. Und so kam es, dass ich die Zone der sozialen Elite gegen eine Realschule in einem Plattenbauviertel eintauschen musste.
Glücklicherweise kannte ich noch Jemanden von damals. Damals, dass heißt, die Grundschulzeit. Ich war bereits die ersten vier Jahre meiner unglaublichen Schulkarriere an dieser kombinierten Schule.
Nach meinem ersten Tag war ich unsicher, ob es die richtige Entscheidung war, diese Person darum zu bitten, mich ein wenig einzuführen in diese für mich unbekannten Umstände. Die Person war unbeliebt. Sie war nicht verhasst, oder wurde angefeindet, aber sie war unbeliebt. Und da das Denken bei meinen neuen Mitschülern zumindest auf sozialer Ebene nicht sonderlich ausgeprägt war, habe ich auch gleich meinen Platz in der Nahrungskette gefunden. Ziemlich weit unten. Mein körperlicher Stress welcher durch die Angst vor der neuen Schule hervorgerufen wurde brachte mir dann auch noch körperliche Besonderheiten, wie Pickel auf dem Kopf, oder Haarausfall. Und so wurde ich "der Junge mit den Pickeln auf dem Kopf". Nur "der Junge mit dem ewigen Stimmenbruch" war noch sonderbarer als ich, somit wurde ich aber wenigstens in Ruhe gelassen.
Mein Vorhaben, mich meiner Pubertät anzunehmen, Freunde zu finden, Mädchen kennen zu lernen und die typischen Dinge der Jugend zu erleben wurden erstmal auf Eis gelegt. Ab jetzt hieß es: Bis zur zehnten Klasse überleben und dann raus hier. Das in diesen Leuten mehr steckte als ich damals dachte, und auch dass ich nicht nur zwei Jahre bis zur zehnten Klasse brauchen würde, sollte sich in der Zukunft zeigen. Doch dazu morgen mehr!
Wie geht es mir nun an Tag 2? Überraschender Weise verspüre ich bereits heute das Gefühl, mehr Energie zu haben und besser schlafen zu können. Auch die Reinheit der Gesichtshaut ist irgendwie besser geworden. Am Abend Wasser trinken fühlt sich dennoch absurd an. Es fehlt eine Beschäftigung während der Arbeit am Computer. Der Morgen war äußerst unbeschwert, nahezu gruselig. Ich bin aufgestanden und war sofort wach. Kein Magengrummeln, kein Wecker nachstellen, sehr sehr ungewohnt.
Danke fürs Lesen!
Bis Morgen!
determiniert am 05. Januar 16
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2 Kommentare
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Freue mich für dich, naja über jeden der seine Sucht in den Griff bekommt.
Alle die noch mittendrin stecken (nehme mich nicht aus), beneiden dich.
Daumen drück das du keinen Rückfall hast.
für dein Kommentar, dieser Blog dient mir wohl auch eher als Tagebuch. Freue mich, dass du dir die Zeit genommen hast.
Wenn ich fragen darf, wie lange lebst du bereits damit?
mfg