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Sonntag, 10. Januar 2016
Tag fünf - Eine Ausnahme kommt selten allein
Der Titel ist Programm.

Der heutige Tag führte mich auf ein Treffen mit einer ehemaligen Kommilitonin und ihrem Freund. Nach zwei alkholfreien Weizenbieren äußerte ich den Wunsch, noch einmal das gleiche zu bekommen.

Bereits der Schaum des neuen Bieres schmeckte altbekannt. Bitter, etwas sauer, nicht gut, um ehrlich zu sein.

Nun hatte ich eine Entscheidung zu treffen. Ringe ich mich durch, um nach vorn an die Bar zu gehen und vor allen Leuten zu sagen, "Entschuldiung, ich wollte ein Alkoholfreies Bier!".

Dazu fehlte mir der Mut. So trank ich es und habe gedacht, nunja, wenn es dabei bleibt, meine Güte , ein Bier, was ist das schon. Jeder der mal mit dem Rauchen aufgehört hat, bzw. es versucht hat, kennt dieses Handlungsmuster wohl nur zu gut.

Doch dabei sollte es nicht bleiben. Der Wunsch, mehr Alkohol zu trinken war da, die Stimmung war super, das Portemonnaie ausreichend gefüllt. So war dies, bis heute, mein einziger Rückfallabend. Ich weiß, nach fünf Tagen ist es nicht so dass man sagen könnte, "Wow er hat lange durchgehalten". Aber mich nun selbst schlecht zu machen bringt mir ja auch nichts.

Also, alles auf Anfang, neuer Tag, neues Glück.

Gute Nacht!



Tag vier - Die Herausforderungen
Vier Tage sind vergangen. Tage an denen ich spürbar mehr Energie hatte, reinere Haut und allgemein ein größeres Wohlbefinden.

Das alles wäre super, wenn es denn da nicht auch die Qualen des Alltags geben, welche mich zurück zur flüssigen Ablenkungen führen möchten.

Es ist nun etwa eine Woche, seitdem mein Nachbar sich nach seiner Nachtschicht entscheidet, Mülltonnen gegen die Wände zu werfen oder mit Gummibällen Actionszenen nachzustellen. Vermutlich ist es keine dieser Aktivitäten, aber in einem Neubau hört eben jedes Geräusch..

Als Lärmempfindlicher Weich-Mensch komm ich nicht umhin, mich in meinem Bett hin und her zu drehen und mich zu fragen, ob er weiß, was er seinen Mitmenschen und vor Allem mir damit antut....Hätte ich jetzt ein Bier getrunken, wäre ich wohl schon eingeschlafen...so surrt der Konjunktiv in meinem Hirn. Es ist die Logik, die nun sagen muss "Nein, wenn du ein Bier getrunken hättest würde es dich noch mehr stören, weil es mitunter aggressiv machen kann!".

Aber weit gefehlt, die Logik wurde bereits von Empörung und Wut übermannt und liegt irgendwo dort wo ich sie nicht gebrauchen kann.

Doch ich schaffe es, nach einer halben Stunde, Ohropax und einem Kissen über den Kopf, habe ich es geschafft, die Welt der "Nachtruhe" wurde betreten. Dem Alkohol wurde widerstanden.

.....


Wie ging es nun weiter, damals auf der Klassenfahrt mit dem ersten Kontakt mit Alkohol?

Um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht mehr sicher. Erstens ist es lange her, zweitens habe ich schon damals meinen Hang zu exzessivem Gebrauch von Suchtmitteln kennengelernt. Ich hatte ein Blackout und habe auch direkt die Veranstaltungen am nächsten Tag verschlafen. Als ruhiger Schüler bleibt man den Lehrern scheinbar nicht so sehr im Gedächtnis, dass sie nach einem suchen.

Dieser Urlaub jedoch, sollte im Nachhinein einen Wandel in meinem Leben markieren. Ich kam in neue Kreise, fing an zu rauchen und naja... zumindest bildete ich mir ein, durch den Alkohol eine Tür in mir geöffnet zu haben, hinter der Jemand wartet, den die Menschen mögen. Dass die Menschen mich auch so mögen, wenn ich keinen Alkohol trinke und mich einfach nur traue, ich selbst zu sein.. das habe ich erst mit etwa 25 Jahren verstanden.

Aber naja, lieber spät als nie oder?

Und nun war es das für heute, nach einem alkoholfreien Abend in meiner Stammkneipe. Den Blick in den Augen des Barkeepers werde ich nicht vergessen. "Alkohol frei bitte!"...

Auf eine weitere lärmbelastete Nacht.

Bis bald!