1 Jahr kein Alkohol, wie es dazu kam.
Wie oft trinkst du pro Woche Alkohol?

Einen Abend? Zwei Abende? Öfter?

Wieviel trinkst du? Ein Bier? Ein Wein? Mehr?

Vor etwa drei Jahren ging es los, die Abendschule war vorbei, keiner meiner üblichen Kumpanen war verfügbar, die Freundin bereits im Bett. Was tun bei einem so kaputten Rhythmus und quälender Einsamkeit?

Natürlich, ich hätte schlafen gehen können. Aber mein Rhythmus lies es nicht zu, und mein innerer Schweinehund auch nicht.

So kam es, dass zu den verschiedenen Serien, den endlosen Suchterein in Word of Warcraft oder Counter Strike, auch das ein oder andere Bier in meinen Alltag gefunden hat. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Jeden Dienstag führte mich die lange Weile und die Gewohnheit in einen heimischen Studentenclub. Jeden verdammten Dienstag kam ich betrunken nach Hause, während sich meine Freundin Frühstück machte. Oft habe ich versucht zu erzählen was ich erlebt habe, aber viel Inhalt gab es wohl nicht.

Daraus entwickelte sich der teuflische Mittwoch. Mit schwerem Kopf stand ich vor folgender Entscheidung, in die Schule gehen und ein gutes Abitur machen oder doch eher den Kater als Entschuldigung nehmen um es mir vor dem Rechner oder auf dem heimischen Sofa bequem zu machen und...du darfst raten...ein Bier zu trinken. Was hilft schon besser gegen den Kater als Konter-Trinken?

So vergingen die Jahre bis das Abitur irgendwann mit einem erstaunlich guten Schnitt in der Tasche war und mein Leben einen Wandel erlebte.
Meine Freundin entschied sich der westlichen Welt den Rücken zu kehren und ging ein Jahr nach Bolivien. Das Stand schon lange fest, aber irgendwie hat mir die Verdrängung dabei geholfen, meinen emotionalen Ausbruch erst am Frankfurter Flughafen zu erleben. Ich erinnerte mich damals und auch heute an ein Sprichwort: Ein Flughafen sieht mehr Tränen und Gesten der Liebe als eine Kirche. Ich weiß nicht wo ich es gehört habe, aber in diesem Moment schoss es mir in den Kopf und ich sah ihr zum letzten mal nach, bevor ich mich in den Nachtzug in meine neue Heimat begeben sollte. Ja, auch ich entschied mich schweren Herzens meine nordische Liebe, Rostock, zu verlassen.

Die Tage wurden länger. Die Empfindungen wurden intensiver, der Alkoholkonsum nahm zu. Angekommen in einer mir fremden Welt sollte ich zusätzlich zu dem schmerzenden Verlust noch meinen neuen Erzfeind kennenlernen: Die Universität.

Nicht, dass ich jeden Tag getrunken hätte, nein es gab auch Tage an denen ich Panik bekam, weil ich soviel trinke, und so hab ich es immer mal wieder gelassen um mir zu beweisen, dass ich es eben noch kann.

Dann, nach etwa fünf Tagen, belohnte ich mich in einer Kneipe mit neuen Bekanntschaften für diese heroische Leistung, natürlich, mit einem Bier. Aber es gab nicht nur Bier, nein es gab auch das innere Versprechen: Du wirst nie wieder zwei Tage am Stück sinnlos Alkohol trinken.
Ich musste darüber Lachen. Einen Tag später, als ich mit Bier am PC saß und meine Fähigkeiten in Counter Strike verbesserte.

Seit dieser Zeit sind etwa zwei Jahre vergangen. Es war der Anfang einer Phase die ich nun rückblickend die Epoche des Alkohols nennen möchte. Noch einmal sei angemerkt, ich habe nie morgens getrunken, ich habe auch nicht das Gefühl gehabt trinken zu müssen, aber es gab und gibt etwas in mir vor dem ich Angst habe. Und wann immer ich Zeit mit mir allein verbrachte und verbringe, scheint es langsam herauskommen zu wollen.

Hier und heute soll es nun soweit sein. Ich stelle mich dieser Situation. Einerseits, weil ich mich mittlerweile stark genug fühle, es zu tun und andererseits weil ich eine leichte Hoffnung verspüre, dass das wovor ich mich fürchte unter Umständen gut sein kann. Das es mir hilft, zu sehen was ich will und wer ich wirklich bin. Aber auch, weil ich den Eindruck habe, dass täglicher Alkoholkonsum, ob nun ein oder fünf Bier so langsam an meinem Kurzzeitgedächtnis nagt. Hier sei jedoch angemerkt, dass ich ein professioneller Hypochonder bin und mir immer mal wieder physische oder psychische Besonderheiten suche, die ich für abnormal halte um sie als künstliche Belastung und als "Ausrede-Material" für gewisse Situationen zu verwenden.

Heute ist er also. Der erste Tag ohne Alkohol. Falls das ganze von irgendwem gelesen wird: Ich habe dir etwa zehn Minuten deines Lebens geklaut!

Viel Spaß, bis morgen.




monkeysaysmonkeydo am 15.Jan 16  |  Permalink
Hallo du,
ich wünsche dir ganz ganz viel Glück bei deinem Vorhaben!
Versuch dich einfach jeden Tag daran zu erinnern wie blöde es ist Alkohol zu trinken. Ich hatte das in der Vorabi-Zeit, dass ich das lernen immer verdrängt habe und lieber mit meinen Freundinnen feiern gegangen bin.
Hatte in der Zeit allerdings auch viel mit Krankenhausgeschichten zutun, sodass mir Leben im allgemeinen irgendwie interessanter vorkam als lernen..
Hat dann trotzdem alles ganz gut geklappt.

Ich drücke dir auf jeden Fall beide Daumen das es mit deinem Vorsatz funktioniert!!

LG

determiniert am 22.Feb 16  |  Permalink
@Monkeysaysmonkeydo
Vielen Dank für deine Glückwünsche! :)

ja, wie du vielleicht gelesen hast, so ganz strikt schaffe ich es nicht, aber massive Fortschritte sind zu merken.

Wie geht es dir denn mittlerweile? Hälst du immernoch durch? Grüße