Tag elf - Was mir auffällt
Es ist interessant, wie sehr ich daran gewöhnt war, nach meinen paar Bierchen am Abend ins Bett zu fallen und sofort einzuschlafen, ohne großes Nachdenken, hin und her drehen oder sonstwas.
Seit ich nicht mehr regelmäßig Alkohol zu mir nehme, habe ich erschreckendes festgestellt. Das Haus in dem ich wohne ist unglaublich hellhörig. Schritte von Oben, rumpelnde Geräusche und das wimmern eines Fernsehers von Unten. Wie konnte mir das knapp 1,5 Jahre lang nicht auffallen?
Es war nah an einer Krise, als ich feststellen musste, das diese Nachbarn einen ähnlich furchtbaren Rhythmus an den Tag legen wie ich. Der Vorteil, dass der untere Nachbar ebenfalls bis um eins oder zwei wach ist, und dabei bei offenem Fenster lautstark fernsieht oder telefoniert, macht die Abstinenz noch reizvoller. Nicht.
Doch bin ich besser? Ich erinnere mich an die üblichen Tage. Um 23 Uhr nach hause kommen, Essen machen, Bier öffnen, Counterstrike spielen und dabei lautstark andere Spieler zurückbeleidigen oder aber in Lachanfällen versinken, dass ganze dann so bis 02:00 Uhr. Bei offenem Fenster. Bin ich also besser? Nein, vermutlich nicht.
Doch wie kann es sein, dass man alles von Unten hört, von Oben jedoch nicht? War das wirklich schon immer so?
Die Sehnsucht nach der Flucht wird größer, umziehen, wegziehen, Isolation. Eine feige Flucht, verpackt in der Schönheit eines Traumes.
Aber nunja, dann muss ich eben mein Leben an die Wachzeiten der anderen anpassen, oder Schlaftabletten nehmen. Man wird sehen.
Adios!
determiniert am 04. März 16
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Tag zehn - Alkohol im Alltag
Heute war ein interessanter Tag.
Der Tag begann mit einer spaßigen Situation, wie sie in öffentlichen Verkehrsmitteln häufig vorkommt.
Ich steige in meine "Stamm-Tram". Wohlgemerkt, fährt diese Bahn von einem sozial schwachen Viertel bis zu einem anderen sozial schwachen Viertel. Daher ist das Klientel in der Bahn häufig sehr interessant. Von Frauen mit Jogginghose, pinken Strähnen, einem furchtbaren Vokabular und drei Kindern bis hin zu den Vormittagsalkoholikern.
Heute war ein netter Fahrgast dabei, welcher sich direkt übergeben musste als ich die Bahn betrat. Ein netter Willkommensgruß. Im gleichen Moment verschüttet er sein hochkarätiges Sternburger Pils und fällt vom Platz. Eine aufmerksame Dame war dann so nett, die Flasche mit ihrem Fuß an einen Ort zu rollen, an dem sie nicht ständig hin und her rollt. Das nenne ich Zivielcourage! Aber hey, ich bin ja auch nicht besser.
Nach etwa drei Stationen oder zehn Minuten, schafft es der eiserne Krieger wieder aufzustehen. Ungläubige Blicke verlassen seine gläsernen Augen. Die Feuchtigkeit nimmt in jeder Sekunde zu, als ob er wüsste, dass er sein kostbares Pils verschüttet hatte. Ungläubig sah er seine Mitfahrer an und begann auch gleich freundlich zu fragen, wo sein Bier sei.
"Ey du Fotze wo ist mein Stoff?"
Trotz all der Höflichkeit reagierte Niemand, und so verließ der Gentlemen am Bahnhof die Tramm. Reaktionslosigkeit blieb ein weiterer Mitfahrer.
So traurig sowas auch ist, aber irgendwie sind derartige Situationen besser als jeder Warnhinweis auf der Zigarettenschachtel.
Es ist wie eine art Live-Performance-Art zu den Folgen des ALkoholkonsums.
Trotz eines schmerzlichen Abschieds im Freundeskreis bleibe ich daher heute stark.
Danke, unbekannter Ritter der Abstinenz.
determiniert am 28. Februar 16
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Tag neun - BeerFugees welcome?
Ich weiß nicht, ob es jemand kennt oder mich jemand diesbezüglich versteht, aber ich versuche es mal.
Nach ein paar Tagen ohne Stress, ohne Alkohol oder sonstwas schaut man die Nachrichten und denkt sich, naja ist ja doch alles nicht ganz so schlimm wie man es vielleicht gedacht hat. Ein paar Tage später schaltet man während des zweiten Bieres die Online-Nachrichten an und überlegt sich, in welches Land man auswandern könnte oder wie man denn am besten an Waffen kommt.
Kurz und knapp, unter Alkohol neige ich zu Dramatisierungen. Ihr auch?
Manchmal stelle ich mir dann spezielle Fragen. Was zum Beispiel, wenn die Flüchtlinge die aktuell kommen, nicht muslimisch wären, sondern britische sauf-Fußball-Fans, oder aber Chinesen, Japaner, Brasilianer? Würde die Bevölkerung Deutschlands ähnlich skeptisch damit umgehen?
An manchen Tagen schaffe ich es, mich dermaßen in Rage zu "Denken", dass ich tatsächlich wütend bin, ganz ohne realen Grund. Ganz ehrlich, wenn man nichts von dieser Flüchtlingskrise wüsste, würden mir hier maximal ein paar mehr Araber am Bahnhof auffallen, sonst nichts. Der ganze Wind um die Eröffnung von Heimen und so weiter...letztlich alles umsonst. Zumindest bisher.
Und ist sie nun gut, diese Zuwanderung? Wie werden die Kulturen miteinander existieren? Den größten Fehler den ich bei diesem Thema machen konnte, war es, den "Kampf der Kulturen" zu lesen. Nun weiß ich: Die oder Wir. Hoffen wir mal, dass Huntington unrecht hat.
Jetzt sind es übrigens wieder acht Tage, ohne Freund und Feind.
Und nun, einen sonnigen Sonntag, Prost, bis Morgen!
determiniert am 27. Februar 16
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